Extrem Tauchen im Winter auf den Lofoten

 Wie ist es bei 4 Grad Wassertemperatur im verschneiten Norwegen zu tauchen?

 

Ich bin dieses Jahr das dritte Jahr in Folge auf den Lofoten, einem Inselarchipel im nördlichen Norwegen. Landschaftlich ein Traum. Verschneite Berge, Sandstrände und türkisgrünes Wasser wie in der Karibik.

Einziges Problem: Wo Schnee ist, da ist es auch kalt. Mit Wind arschkalt.

Trotzdem oder gerade deswegen faszinierte mich die Idee hier zu tauchen. Letztes Jahr war die Zeit zu knapp, da ich nur für den Zeitraum von zwei Landschaftsfotografie Kursen hier oben war. Dieses Jahr habe ich mehr Zeit eingeplant und Kontakt zur Tauchbasis Lofoten Diving hergestellt.



Da ich auf Mauritius bereits über 20 Tauchgänge mit meinem Ikelite Unterwassergehäuse absolviert hatte, kam dieses mal nicht nur mein Landschaftsfotografie Equipment mit in den Flieger nach Norwegen, sondern auch mein komplettes Unterwasserequipment, samt Blitzen.

Ob es die Temperaturen aushält? Keine Ahnung.

Schon mal mit Trockenanzug getaucht? Nö.

In der ersten März Woche war es dann soweit. Den ersten Termin mussten wir wegen zu starken Wind verschieben. Daniel unser Tauchguide und Besitzer von Lofoten Diving, die im Sommer eine volle Hütte haben mit 3-4 Tauchgängen pro Tag, erzählt uns, dass im Winter eher 1-2 Leute pro Woche anfragen hier zu tauchen.

Da weder Susann noch ich bisher mit einem Trockenanzug getaucht sind gibt’s erstmal eine Theoriestunde.

Im Gegensatz zum „normalen“ Tauchen mit Neopren ist der Trockenanzug mit Luft gefüllt und man trägt keine Badehose sondern entweder eigene Kleidung oder wie wir einen gefütterten Anzug drunter.

Der Anzug ist also komplett Dicht und kein Wasser kommt an den Körper. Oben am Kopf und an den Armen sind enge Gummikragen und unten ist der Anzug mit den Schuhen verbunden. Wenn man den das erste mal anzieht fühlt man sich noch mehr als Astronaut, als ohnehin schon beim tauchen. Alles ist ziemlich eng und unbequem.



Da die Luft sich mit zunehmender Tiefe ja komprimiert und man sich im Anzug nicht mehr bewegen könnte, ist der Anzug genau wie das BCD mit der Tauchflasche verbunden und man kann per Druck auf den Knopf auf der Brust Luft hinzufügen und muss auch Luft entlassen, wenn man langsam auftaucht. Das macht man entweder durch heben des Armes, wenn das Ventil offen ist oder durch drücken des Knopfes am linken Oberarm.

An sich schon gewöhnungsbedürftig. Jetzt stell dir vor, du hast in den Händen noch zusätzlich ein Unterwassergehäuse samt Blitzen das um die 10 Kilo wiegt und 6000€ Wert ist. Stell dir vor du bekommst jetzt noch Handschuhe an, die mehrere Millimeter dick sind und 10 Kilo Zusatzgewicht um den Trockenanzug auszugleichen. Kurz noch zur Erinnerung: Das Wasser hat 4 Grad, die Luft an diesem Tag 0 Grad, überall liegt Schnee.



 

Warum tut man sich das an?

 

Das Wasser zu dieser Jahreszeit ist kristallklar. Daniel erzählt uns die Sicht beträgt aktuell um die 50 Meter. Kurze Zeit später laichen die Fische und das Wasser wird viel trüber. Die Unterwasserwelt im Arctic Circle ist außerdem ganz anders als alles was ich bisher gesehen habe. Für Susann und mich steht fest: LET’S DO IT.



Gegen 10 Uhr morgens geht es mit dem kompletten Equipment in den kleinen Hafen von Ballstad. Vom Auto tragen wir komplett angezogen, die Ersatzflaschen und Equipment durch den Schnee, über die eisigen Stege ins Boot.

Ca. 15 Min fahren wir aus dem Hafen aufs Meer wo die Wellen ordentlich klatschen zu einem von Daniels Lieblingsspots. Eine windgeschützte Bucht unter der Höhlen und Schluchten liegen.

Der Plan ist wie folgt: 5 Minuten Skills im Wasser um den Umgang mit dem Trockenanzug und Notfallübungen zu trainieren. U.a. lernt man wie man es vermeidet, dass sich Luft in den Füßen (die ja geschlossen sind) sammelt und man als Luftballon mit Füßen zuerst nach oben poppt. Danach geht’s in den Canyon auf 20 Meter Tiefe, durch eine kleine Höhle und in einen Wald voller Palmentang.



 

Rückwärts ins eiskalte Wasser

 

1-2-3 und dann geht’s per Rückwärtsrolle ins eiskalte Wasser. Der erste Moment ist nicht so kalt wie ich dachte. Der Trockenanzug zieht sich allerdings schon knapp unter der Wasseroberfläche zusammen und alles ist sehr beengent. Kurz auf die Brust drücken und Luft pumpt sich in den Anzug. Es wird angenehmer und spürbar wärmer.

Abtauchen, Skills und los geht’s.

Die Sicht ist tatsächlich sehr gut. Ob es jetzt 50 Meter sind weiß ich nicht. Der Himmel ist leider bewölkt wodurch es relativ dunkel auf 20 Meter ist. Mit Blitzen sieht man dann die volle Farbenpracht. Der ganze Grund ist pink! Seeigel, Palmentang und Seesterne, Krabben und ein paar Fische tummeln sich hier. Sonst ist es eher ruhig. Der Kabeljau kommt erst 1 Woche nach unserer Abreise nach Ballstad. Ihn findet man hier dann häufig und auch Zwergwale kann man ab und an mit etwas Glück sehen, erzählt Daniel.



Ich tauche mit offenem Ventil, das bedeutet die Luft geht aus dem Anzug raus sobald ich den linken Arm anwinkle und nach oben strecke. Das ist einfacher, vor allem wenn man etwas in den Händen hält. Mit der Kamera und Trockenanzug habe ich keine Probleme, es funktioniert intuitiv. Die Kälte merkt man nur kurz am Anfang und dann Unterwasser so gut wie nicht mehr. Wahrscheinlich, weil man sich auf andere Dinge konzentriert. Susann taucht durch die kleine Höhle und ich warte auf der anderen Seite für ein Bild. Hier sieht man die Farbenpracht am Boden.

Unser Tauchgang geht ungefähr 35 Minuten dann ist die Luft auf 60 Bar und wir beginnen mit dem auftauchen. Langsam merke ich die Kälte an meinen Fingern. Zurück am Boot merkt man auf der eisigen Leiter wie viel Gewicht man tatsächlich dabei hatte. Sobald man das Wasser verlässt spürt man auch die stechende Kälte an den Lippen, die ja die ganze Zeit ohne Schutz frei lagen. Erst an der Oberfläche spüre ich wie kalt meine Finger wirklich sind. Hier brennt und sticht es wirklich für einige Minuten.



 

War es geil?

 

Es war definitiv eine krasse Erfahrung. Nicht nur das tauchen selbst, sondern auch das ganze drum rum. Wer auf Abenteuer steht und schon einige Tauchgänge im Logbuch hat, dem kann ich es definitiv empfehlen. Im Sommer ist das Wasser ein bisschen angenehmer mit um die 12-15 Grad. Wer aber den vollen Abenteuer Kick sucht der sollte, besonders durch die spektakuläre Sicht im Winter an einem sonnigen Tag vorbei schauen.



Wart ihr auch schon mal in so kaltem Wasser tauchen? Hinterlasst uns einen Kommentar – wir freuen uns auf eure Geschichten!

Ben

Mein Name ist Benjamin Jaworskyj, Fotograf und Abenteurer.
Vor 10 Jahren habe ich mir das fotografieren selbst beigebracht. Heute bereise ich die Welt als Profi Fotograf und Filmemacher. Lerne aus meinen Erfahrungen und begleite mich auf meinen Foto Abenteuern.

6 thoughts on “Extrem Tauchen im Winter auf den Lofoten

  1. Ich kann dir die Schweizer Seen sehr empfehlen. Gerade im Winter ist es am schönsten zum Tauchen. Oder auch ein cooler Tip, probier mal das Eistauchen,war gerade vor ca 3 Wochen am Eistauchen,es war wie immer der hammer!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*